Buckelwal ist frei – die Kritik an der Aktion bleibt

Stand: 02.05.2026 17:06 Uhr

Im Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen hat der Wal das Transportdock verlassen. Die genauen Umstände sind unklar – ebenso wie es dem Tier geht. Nach wie vor gibt es große Kritik an der Rettungsaktion.

Live-Bilder einer Drohne des Internetanbieters News5 zeigen kurz nach 9 Uhr am Sonnabend-Vormittag ein leeres Trockendock. Der aus einer flachen Ostsee-Bucht vor der Insel Poel geborgene Buckelwal ist somit wohl aus dem Transportdock in die Nordsee geschwommen. Wie genau die Aktion abgelaufen ist, lässt sich bislang nicht klären.

Um 8.45 Uhr verließ der Buckelwal den Lastkahn

Wie Karin Walter-Mommert von der Rettungsinitiative erklärte, verließ das Tier um etwa 8.45 Uhr den Lastkahn, mit dem der Wal bis in die Nordsee geschleppt worden war. Eine Wasserfontäne des Buckelwals ist auf Bildern zu sehen. Der Meeressäuger schwamm dann zunächst nach Nordwesten, was der beste Weg sei, um die norwegische Westküste zu erreichen und sich dann entlang dieser Küste in Richtung Arktis zu bewegen, sagte Walter-Mommert der Nachrichtenagentur AFP. Beeinträchtigungen seien demnach nicht zur erkennen gewesen.

Meeresbiologe: Noch keine Rettung

Von einem guten Ende einer Rettungsaktion will der Meeresbiologe Fabian Ritter dennoch nicht sprechen. Unter anderem weil es keine Bilder von der Freilassung gegeben hat. „Eine Rettung ist erst dann gegeben, wenn er über Tage oder Wochen ein normales Verhalten zeigt“, sagte er im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Es wäre zudem eine Katastrophe, wenn der angebrachte Peilsender keine Daten liefert.

Der Wal wird am Mittwochmorgen von zwei Schleppern in einem gefluteten Lastschiff vor der dänischen Küste transportiert

Bilderstrecke

Der Buckelwal, der wochenlang vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern festhing, wurde in einem Lastkahn Richtung Nordsee transportiert.

Viele Fragen um den Peilsender

Auf die wartet auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Es käme nun darauf an, dass seinem Ministerium die Daten zügig zur Verfügung gestellt würden, um die weitere Reise des Wals nachzuvollziehen. Zuvor hatte ein Teammitglied der privaten Rettungsinitiative gesagt, dass es vorerst keine Daten von dem Peilsender gebe – sollte es Daten geben, seien diese nicht öffentlich zugänglich.

Am Sonnabendnachmittag meldete die Bild-Zeitung, dass der Peilsender nun Daten sendet – jedoch nur sporadisch. Demnach sei er eventuell beschädigt worden, als der Wal die Barge verließ. Den Angaben zufolge deuten die empfangenen Daten darauf hin, dass sich der Wal in die richtige Richtung zu bewegen scheint.

Wie es dem Tier geht, ist unklar

Ursprünglich war es nach Angaben der Initiative das Ziel, die Nordsee oder den Atlantik deutlich weiter westlich zu erreichen. Die Gefahr, dass der Buckelwal in die Ostsee zurück schwimmt, sollte damit verringert werden. Ob der Wal überleben kann, ist noch offen. Es gibt zudem noch keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich das Tier befand.

Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden, sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace: „Wir schätzen seine Überlebenschancen als minimal sein.“

Wal hatte sich im Lastenkahn gedreht

Das Sicherungsnetz im hinteren Bereich des Docks war bereits gestern in ruhigerem Wasser entfernt worden. Der Buckelwal hatte sich zwischenzeitlich quer gelegt, aber nicht vollständig umgedreht. Wegen hoher Wellen war der Konvoi wieder ein Stück in die Ostsee zurückgefahren. Der Wasserstand in der Barge sei zunächst nicht verändert worden, hieß es aus dem Team der Initiative. Trotz des nun offenen Kahns hatte der Wal den Lastkahn über viele Stunden nicht verlassen.

Der Schiffskonvoi mit dem gestrandeten Buckelwal war dann in der Nacht zu Sonnabend weiter mit langsamem Tempo in Richtung Norden gefahren und befand sich am Morgen etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak.

Dänisches Umweltministerium will Wal bei erneuter Strandung nicht retten

Das dänische Umweltministerium teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette. Strandungen seien „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden, heißt es. Zu dem konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals äußerte sich das Ministerium nicht.

Eine Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht

Ob Hörer, Zuschauer oder Social-Media-Nutzer: Alle haben viele Fragen zum Buckelwal. Expertinnen und Experten antworten.

Umweltministerium SH: Wir sind an der Aktion nicht beteiligt

Der Transport des lebenden Wals vorbei an Schleswig-Holstein wurde offenbar nicht durch die Behörden begleitet. „Die aktuelle Rettungsaktion wird nach unserer Kenntnis privat organisiert und finanziert. Wir sind nicht beteiligt und auch nicht dafür angefragt“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel am Dienstag auf Nachfrage des NDR. „Solange das Tier in der Obhut der Rettungsinitiative ist, trägt diese die Verantwortung.“

Wal lag 29 Tage vor Poel

29 Tage lang hatte der Wal vor der Insel Poel gelegen. Am Dienstag war der Buckelwal in den mit Wasser gefüllten Lastkahn, auch Barge genannt, gelangt – mithilfe einer privaten Rettungsinitiative. Helferinnen und Helfer hatten das Tier in eine gebaggerte Rinne bugsiert und es mit Gurten zur Barge gezogen. Am Abend schoben kleinere Boote den Lastkahn mit dem Tier dann in die Wismarer Bucht, wo sie vom Schlepper „Robin Hood“ auf den Haken genommen wurde. Später, bei Fehmarn, übernahm die „Fortuna B“ den Kahn.

Video:
Spektakuläres Video: Der Moment, in dem der Wal in die Barge schwimmt (3 Min)

Wo strandete der Wal bisher?

Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden. Mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd wurde er aus dem Hafenbecken geleitet. Am 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Niendorf (Kreis Ostholstein). Dort wurde eine Rinne für ihn gebaggert. Er schwamm sich am 27. März frei. Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb in der Kirchsee vor Poel liegen.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bei einem Video-Call.

Die privaten Retter hätten Informationen über den Buckelwahl zugesagt, so Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus im NDR Interview. Darauf wartet er noch.

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal.

Eine private Rettungsinitiative transportiert das Tier aktuell mit dem Lastkahn Richtung Nordsee. Eine Chronologie.

Der Buckelwal liegt in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze.

Der Schleppverband ist mit dem Wal unterwegs Richtung Nordsee. Verfolgen Sie alle Infos, Bilder, Videos und Stimmen im Liveblog.

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal.

Was als Sorge um ein geschwächtes Tier beginnt, entwickelt sich zu einem emotionalen Medien-Ausnahmezustand und immer neuen Rettungsideen.

Katharina Nocun

Dabei sei die Wissenschafts-Feindlichkeit besonders problematisch, sagte die Autorin und Publizistin Katharina Nocun im Gespräch auf NDR Info.

Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt am Morgen mit seiner Schwanzflosse.

Screenshot der Webansicht eines TikTok-Profils im Darkmode

Rechte und Rechtsextreme nutzen die Geschehnisse rund um den gestrandeten Wal, um Stimmung gegen Politik und Behörden zu machen.