Sind die Kunden informierter geworden oder sind sie vielleicht auch preissensibler geworden? Haben das die Firmen unterschätzt?
Sie haben […] angedeutet, dass die Kosten enorm steigen. Wir haben immer noch höhere Inflationsraten als gewünscht, wir haben immer weitere Krisen und dann müssen natürlich Verbraucherinnen und Verbraucher das Geld zusammenhalten. Wir sind in Deutschland noch ein relativ wohlhabendes Land, aber eine immer größere Anzahl an Verbrauchern haben wirklich wenig Geld in der Tasche.
Und wir haben es ja nicht nur bei Lindt, sondern auch bei anderen Markenherstellern. Die haben das überdreht, obwohl die Lage eigentlich eine andere ist: Dass eigentlich Preissenkungen zu erwarten sind. Die ersten, die das tatsächlich umgesetzt haben, waren die Händler mit ihren Eigenmarken, da sind schon in den letzten Wochen Preissenkungen umgesetzt worden, die Markenartikler haben sich bisher gescheut davor.
Armin Valet
Armin Valet ist staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker. Er hat in Karlsruhe und Bonn studiert. Bei der Verbraucherzentrale Hamburg leitet er die Fachabteilung Ernährung und Lebensmittel. Er hat sich auf die Themen Lebensmittelrecht, Verbrauchertäuschung und das Eichrecht spezialisiert.
Womit rechnen Sie? Werden auch sie dann Preisnachlässe gewähren müssen?
Ich denke schon, da kommt jetzt Bewegung rein und deshalb müssen wir abwarten, was da passiert. Auch wie die Krisen, die geopolitischen Krisen weitergehen, denn das wären wieder Argumente, um Preise stabil oder höher zu halten, wenn die Energiekosten weiter ansteigen. Aber in Bezug auf Kakao und Schokolade, da erwarten wir noch Preisrückgänge – übrigens auch im Handel, weil da wirklich sehr große Kaufzurückhaltung da ist. Schokolade ist eher ein Frequenzbringer. Die Leute kommen in den Laden, wenn es da Sonderangebote gibt, und darum ist es auch im Sinne der Händler, dass hier was passiert.


